Elke Gruber

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Drum prüfe, wer sich ewig bildet!

Erwachsenenbildung ist mittlerweile der größte Bildungsbereich in modernen Gesellschaften.

Dass wir nicht für die Schule lernen und das Lernen nach der Schule nicht aufhört, ist ein Fakt. Welche unmittelbaren Zusammenhänge zwischen (Weiter-)Bildung und Wirtschaftswachstum bestehen, welcher gesellschaftliche bzw. persönliche Nutzen vom lebenslangen Lernen gezogen werden kann und welche Entscheidungshilfen es bei der Wahl der passenden Weiterbildung gibt, erfährst du im nachfolgenden Interview mit einer Spezialistin in Sachen Erwachsenen- und Weiterbildung.

1. Welche Rolle spielt die Erwachsenen- und Weiterbildung für österreichische UnternehmerInnen?

Investition in Bildung und Ausbildung ist inzwischen zu einer gängigen Antwort auf die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen geworden. Durch Bildung und Lernen werden die Chancen auf einem globalen Arbeitsmarkt vergrößert, die Ungleichheit reduziert und Voraussetzungen für das Wachstum geschaffen. Statistische und wissenschaftliche Befunde betonen den engen Zusammenhang von Höhe der Ausbildung und Intensität der Fortbildung und Wirtschaftswachstum. Was gesamtgesellschaftlich festgestellt wird, gilt insbesondere für UnternehmerInnen. Sie müssen sich viel stärker als früher auf regionalen wie globalen Märkten behaupten, flexibel sein und permanent den Wandel gestalten können. Eine besondere Herausforderung für die Zukunft wird die Durchdringung aller Lebens- und Arbeitsbereiche mit digitalen Medien und Lösungen sein. Dies gilt übrigens auch für Lernprozesse Erwachsener.

2. „Lebenslanges Lernen“ ist ein häufig genannter Begriff. Was bedeutet er?

Lernen und Bildung werden in Zukunft viel stärker als bisher über die gesamte Lebensspanne verteilt. Erwachsenen- und Weiterbildung ist ein Teil dieses lebenslangen Lernprozesses. Vom Umfang an Lebenszeit und der Fülle an unterschiedlichen Lerngelegenheiten und -ereignissen ist sie mittlerweile der größte Bildungsbereich in modernen Gesellschaften – so auch in Österreich. Erwachsenenbildung findet aber nicht nur in organisierter Form, in Kursen, Seminaren und Wokshops statt, sie umfasst auch informelle Lernprozesse – z.B. am Arbeitsplatz, selbstorganisiert mit digitalen Medien oder im zivilgesellschaftlichen Engagement in Vereinen und Non-Profit-Organisationen. Die Frage nach dem Nutzen von Weiterbildung ist komplex. Nutzen kann sowohl die Gesellschaft als auch die/der Einzelne aus der Weiterbildung ziehen – dieser reicht von der Basisbildung und dem Nachholen von Bildungsabschlüssen über die Umschulung und Aufstiegsfortbildung bis hin zur Bewältigung privater Krisensituationen, Sinnsuche und politischer Bildung.

3. Wo und wie können EPU die passenden Weiterbildungsmaßnahmen finden?

Die Erwachsenen- und Weiterbildung in Österreich erweist sich als Mosaik – Lern- und Bildungsangebote werden von den unterschiedlichsten öffentlichen und privaten Anbietern offeriert. Aufgrund der gestiegenen Bedeutung haben sich Anbieter mit unterschiedlichsten Angebotsprofilen etabliert. Es gibt große Einrichtungen, die die Erwachsenenbildung in all ihrer Breite abdecken, aber auch viele kleine spezialisierte Institute und Firmen, die – z.B. berufliches Spezialwissen oder Sprachen – anbieten. Angebote werden heute vor allem über das Netz und in Programmbroschüren kommuniziert. Auch „Mundpropaganda“ ist nach wie vor weit verbreitet. Die Frage nach der Qualität ist essentiell. Sie erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick. Ein überregionales Qualitätssiegel stellt das Ö-Cert dar. Hier sind Qualitätsanbieter der österreichischen Erwachsenen- und Weiterbildung gelistet, die sowohl über ein anerkanntes Qualitätszertifikat verfügen als auch bestimmte weitere Qualitätskriterien – wie z.B. erwachsenenpädagogisch geschultes Personal – aufweisen (www.oecert.at). Entscheidungshilfe leistet auch die checklist-weiterbildung.at.

Univ.-Prof.in Dr.in Elke Gruber absolvierte eine Ausbildung zur Diplom-Krankenschwester gefolgt von einem Studium der Medizin-Pädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie ist Inhaberin des Lehrstuhls für Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Universität Graz und lehrt und forscht zu den Themen Erwachsenenbildung - Weiterbildung - Lebenslanges Lernen. Ihr aktuelles Buch zum Thema: Elke Gruber / Werner Lenz: Erwachsenen- und Weiterbildung in Österreich. W. Bertelsmann-Verlag Bielefeld 2016.

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